Historisches

Rückblick auf den Weg des Turnerbundes in Gumpoldskirchen von Andreas Weber (Dietwart), Juni 2004

Bereits im Jahre 1869 wurde in unserem Orte ein Turnverein gegründet, der dann, wie in vielen anderen Orten zu einer Turnerfeuerwehr ausgebaut wurde. Das Turnen wurde aber in den folgenden Jahren zu Gunsten der Feuerwehr vernachlässigt und schließlich 1876 ganz eingestellt.
Im Jahre 1904 wurde neuerlich eine “Gumpoldskirchner Turnerriege” gegründet. Gründungsmitglieder waren so bekannte Gumpoldskirchner Namen wie Plakolm, Gamauf, Bilko usw. Das Vereinsleben blühte auf, doch mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde der Betrieb sukzessive weniger, bis der Verein aufgelöst werden musste.
Nach Beendigung des Krieges gelang es dann den gleichen Turnern als “Deutscher Turnverein Gumpoldskirchen” ein aktives Turnerleben zu etablieren. Der Zulauf war so gut, dass die zur gleichen Zeit erfolgten Gründungen des “Christlich deutschen Turnvereins” und des “Arbeiterturnvereins” keine Auswirkungen auf den Turnbetrieb hatten. Beim 1. Bundesturnfest in Linz 1922 konnte sogar eine 25 Mann starke Riege gestellt werden.

Ein Ende fand der Aufschwung erst mit den geänderten politischen Verhältnissen des Ständestaates und der erfolgten Vereinsauflösung und Vermögensbeschlagnahmung.
Mit dem Jahre 1938 wurde das Turnen unter dem N.S. Reichsbund eingegliedert, allerdings war es durch den folgenden 2. Weltkrieg kaum Turnern und Turnerinnen möglich einen steten Betrieb zu führen. Auch der Turnplatz wurde in einen Splittergraben für die Schule umgewandelt. Mit 1945 wurde der Verein wieder aufgelöst.

Die Wiedereröffnung schien, auf Grund der misslichen Umstände der Nachkriegszeit, schier unmöglich. Jedoch ließen sich die beiden Turnbrüder Hubert Schnitzer und Raimund Ressler nicht verdrießen und schafften es durch einen endlosen Spießrutenlauf den Grundstein für unseren bis heute noch bestehenden Verein zu legen, und die Bewilligung für die Gründung des “Allgemeinen Turnvereins Gumpoldskirchen” zu bekommen.
Am 15. Jänner 1954 wurde dann im Gasthof “Bayrischer Hof” (heutiger Benediktinerkeller) die erste konstituierende Jahreshauptversammlung unter dem Obmann Ing. Otto Vogel abgehalten. Man schloss sich auch unverzüglich dem Dachverband des ÖTB an, in welchem man die Ideen des Jahnschen Turnens wieder fand, zu dem sich der Verein bis heute bekennt.

Der erste Turnrat setzte sich wie folgt zusammen:
Obmann: Ing. Otto Vogel
Obmann- Stv: Leopold Biegler
Turnwart: Alfred Mörx
Schriftwart: Raimund Ressler
Säckelwart: Ing. Ernst Weiß
Dietwart: Karl Köckeis
Säckelprüfer: Ing. Hans Würschinger
Franz Biegler

Der Turnverein begann wieder aufzublühen, so dass bei der zweiten Jahreshauptversammlung durchschnittlich 43 Kinder und 33 Erwachsene den Turnboden besuchten, der im Turnsaal der Volks- und Hauptschule geführt wurde. Aus diesem ersten Vereinsjahr stammt auch eine Veranstaltung die bis heute zu einem Fixpunkt in Gumpoldskirchen gehört, das Dirndlkränzchen.

Im Sommer 1957 wurde dann auf Grund der wachsenden Mitgliederzahl begonnen, einen Sommerturnplatz und ein eigenes Vereinsheim zu errichten. Man entschied sich, den Splittergraben wieder in seine ursprüngliche Funktion umzuwandeln. Da ein Planieren zu aufwendig erschien, errichtete man Böschungsmauern und füllte das Grundstück auf. Das gesamte Projekt “Turnplatz” benötigte damals 1412 Arbeitsstunden, die von Mitgliedern und Freunden geleistet wurden. Im Mai 1960 wurde der Turnverein durch einen Schenkungsvertrag dann auch richtiger Eigentümer, wodurch sofort mit dem Bau eines Heimes begonnen werden konnte.
Man entschloss sich den schon errichteten Umkleide- und Geräteraum im Jahre 1963 zu erweitern, und es wurde dann auch schon mit den Turnstunden im Heim gestartet.

Bald fand sich auch eine Gruppe begeisterter Volkstänzer, die im Jahre 1965 unter Walter Bammer wöchentlich zusammentraf. 1968 bildete sich auch eine Tischtennisgruppierung, die ihr Training ebenfalls im Turnerheim abhielt. Da nun jeder Tag der Woche voll ausgenutzt wurde und die Mitgliederzahl stetig anstieg, wurde der Ruf nach einem Ausbau immer größer, mit dem dann im Jahre 1971 begonnen wurde und der 1973 mit der Installation der Duschen abgeschlossen werden konnte.

Im Jahre 1980 erfolgte dann die Umbenennung von “Allgemeiner Turnverein Gumpoldskirchen” in “Österreichischer Turnerbund Gumpoldskirchen”. Ein Schritt, mit dem die Nähe zum Dachverband des ÖTB unterstrichen wurde.

GESCHICHTLICHES DER 80 und 90 JAHRE

Im Jahr 2000 wurde dann der “in die Jahre gekommene” Turnplatz revitalisiert. Der Boden wurde neu planiert, die Sprunggrube wurde erneuert und mit einem Dartboden als Anlaufbahn versehen und die Lichtanlage wurde wieder repariert.

Über die Jahre lebte der Turnverein natürlich nicht nur durch das Geräteturnen. Wie schon erwähnt, bildete sich ein Volkstanzgruppe, die bis heute unter der Leitung von Tbr. Gerhard Pinter aktiv ist. Der Erfolg dieser Traditions- und Kulturpflege kennzeichnet sich durch Auftritte bis in die Vereinigten Staaten.
Auch das Dirndlkränzchen, bei dem sich jedes Jahr im Jänner Hunderte Gumpoldskirchner amüsieren, darf im Zusammenhang Volkstanz nicht unerwähnt bleiben.
Beispielgebend für viele anderen Vereine war auch der Beginn eines Vereinsskikurses im Jahre 1964 durch den bis heute wirkenden Turnwart Gerhard Pinter. Ein Ziel dieses Skikurses war und ist es bis heute, die eigene Heimat kennen zu lernen und die Gemeinschaft zwischen Jung und Alt zu fördern. Es wurden immer relativ kleine, aber feine Wintersportgebiete angepeilt. Sie führten über die Schoberalm bei Puchberg, dem Unterberg bei Pernitz, dem Hochkar, dem Präbichl bei Eisenerz nach Kärnten auf das Klippitztörl und schließlich nach Lackenhof an den Ötscher.
In den letzten Jahren sind auch Veranstaltungen wie der Gaujugendtag, Wirbellsäulengymnastik, Pezziballtraining und die Schwimmeisterschaften dazu gekommen.

Erwähnt sollte aber auch der regelmäßige Turn- und Wettkampfbetrieb werden. Von der Kleinkindergruppe über Fitnesstraining bis hin zur Seniorengymnastik herrscht bei uns im ÖTB buntes Treiben. Leider ist in den letzten Jahren gerade in dem Altersbereich zwischen 15 und 40 Jahren ein immer größeres Loch entstanden. Dies wirkt sich natürlich auch auf den Wettkampferfolg gravierend aus, weshalb auf Bundesturnfesten in den letzten Jahren keine Topplatzierung erreicht werden konnte. Hervorragend sind allerdings die Vergleiche bei den Berg- und Gauturnfesten. So gelang es beim vorletzten Gaujugendturnfest den Wimpel wieder einmal nach Gumpoldskirchen zu holen.

Alles in allem kann man auf eine bewegte Geschichte des ÖTB Gumpoldskirchen zurückblicken. Ein Weg der gezeichnet ist von viel Schaffenskraft der hervorragenden Mitglieder, von Treue zum Jahnschen Turnen und der Verbundenheit zu unserem Heimatort Gumpoldskirchen, dessen Vereinsleben der Turnverein in den letzten 50 Jahren entscheidend mitprägen durfte.